Gradierwerk

Das Gradierwerk in Kevelaer ist 12 Meter hoch und hat einen Durchmesser von ungefähr 25 Meter. Die sichtbare Holzrahmenkonstruktion ist aus Lärchenholz gefertigt. Ende August 2018 wurde der erste Bauabschnitt abgeschlossen. Die Erdarbeiten und die Stahlbetonarbeiten sind fertig gestellt. Der Zimmermann begann mit dem Aufmaß nach der Fertigstellung des Solebeckens. Anhand eines 3D-Modells wurde zuvor jedes Detail des Bauwerkes abgebildet.

Das Solebecken wurde mit einer speziellen Beschichtung versehen, damit die Sole nicht den Beton angreift und in den Boden gelangt. Nachdem die Zimmermannsarbeiten beendet wurden, wurde das Richtfest gefeiert. Danach begangen die Arbeiten des Bedorners. Das Füllmaterial für die Holzrahmenkonstruktion ist Schwarzdorn. Geerntet wird Schwarzdorn stets im Herbst. Es gibt nicht viele Produzenten in Europa. Der Schwarzdorn für das Gradierwerk in Kevelaer wird in Polen geschnitten. Die Bedornung für das Oktogon-Bauwerk dauerte mehrere Monate. Der Bedorner musste dabei zügig arbeiten, da Schwarzdorn an Masse verliert, wenn er zu lange liegt. Anfang März 2019 konnten die technischen Anlagen eingebaut werden. Seit Juli 2019 ist das Gradierwerk mit 3 % Salzgehalt in Betrieb. Der Salzgehalt wurde im September 2019 auf 15 % hochgradiert.

Was ist ein Gradierwerk?

Ein Gradierwerk (auch Leckwerk) ist eine Anlage zur Salzgewinnung. Sie besteht aus einem Holzgerüst, das mit Reisigbündeln (vorwiegend Schwarzdorn) verfüllt ist. Das Verb gradieren bedeutet „einen Stoff in einem Medium konzentrieren“. Im Falle eines Gradierwerks wird der Salzgehalt im Wasser erhöht, indem Sole durch das Reisig hindurchgeleitet wird. Dabei wird auf natürliche Weise Wasser verdunstet.

Häufig werden Gradierwerke falsch als "Salinen" bezeichnet. Eine Saline ist eine Anlage zur Gewinnung von Speise-und Siedesalz entweder mit Meerwasser oder aber durch Untertage hergestellte Sole.

Warum Sole einatmen?

Das Einatmen der Aerosole - so heißen die feinen Salzwassertröpfchen - beugt Atemwegs- und Erkältungskrankheiten vor. Es regt die Durchblutung der Lunge an und reinigt sie. Der gesamte Atemtrakt wird gereinigt von Bakterien und Allergenen wie Staub oder Pollen. Dies bringt nicht nur Allergikern spürbar eine Erleichterung.

Gradierwerk Kevelaer Seitenansicht    Gradierwerk mit Hotel Rilano im Hintergrund    Gradierwerk Seitenansicht Park

Solequelle

Das Gradierwerk im Solegarten St. Jakob wird als Anlage zur Solevernebelung betrieben. Die Solequelle befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Gradierwerk. Aus über 500 Meter Tiefe wird das iodhaltige Heilwasser hochgepumpt und durch eine unterirdische Leitung zum Gradierwerk befördert. Hier sorgt die technische Anlage dafür, dass das Wasser von oben am Reisig herunter läuft.

Auszug aus dem Prüfbericht des Instituts Fresenius Taunusstein:

Nach der durchgeführten Heilwasseranalyse nach den Mindestanforderungen der "Begriffsbestimmungen - Qualitätsstandards für die Prädikatisierung von Kurorten, erholungsorten und Heilbrunnen" des Deutschen Heilbäderverbandes und des Deutschen Tourismusverbandes, Ausgabe 1998, ergänzt durch die "Richtlinie für die Überwachung von Heilwasserbetrieben und Heilquellen", weist das Wasser der "Sole-Thermalbohrung" einen Gehalt an gelösten Mineralstoffen von 21.870 mg/l auf. Das Wasser kann daher nach den Begriffsbestimmungen" im chemischen Sinne als "Heilwasser" bezeichnet werden.